Herr Prof. Dr. Dirk Klapheck

«Wie im Tennis ist das», sagt Dirk Klapheck. Der Chirurg formt seine Sätze wohlüberlegt, in seinem wachen Blick sitzt noch ein klitzekleiner Rest Argwohn, den auch ein reger Mailverkehr mit seiner Sekretärin im Vorfeld («Herr Emeri wünscht noch mehr Informationen über Ihren Bericht») nicht ganz beseitigen konnte. «Man muss während der Operation reüssieren, immer das Beste geben», sagt der ehemalige Präsident seiner Zunft, der Schweizerischen Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie. «Ein Tennisspieler kann nicht am Ende des Matchs zurück auf den Platz, noch mal drei Bälle spielen, um vielleicht doch noch zu gewinnen.»

So sei es auch in der Chirurgie. «Das ist die Herausforderung.» Und dafür brauchts eiserne Disziplin. Er sei nicht sehr mondän, meint der passionierte Velofahrer, Partys mit wichtigen Leuten interessierten ihn nicht. «Stellen Sie sich vor, Sie werden am Montag zu mir kommen, um sich Ihre Brüste operieren zu lassen, und am Samstagabend sehen Sie mich komplett betrunken und schlecht angezogen in einer Disco. Das geht nicht.» Man muss es ruhig nehmen in diesem Job (und, wenn es die Situation erlaubt, auch mal locker: Dirk Klapheck ist der einzige Schönheitschirurg, der sich für das Fotoshooting spontan in sein blaues OP-Outfit wirft).

Die Spezialität von Dirk Klapheck sind Brustoperationen. Und Rhinoplastiken, Nasenkorrekturen: «C’est mon Dada», sagt er, «das ist mein kleines Hobby.» Noch. Denn «es gibt dieses Phänomen, dass sich die Interessen mit dem Alter verschieben». Junge Chirurgen operierten lieber am Körper, ältere beschäftigten sich mehr mit der Gesichtsalterung. Auch weil die Klienten
älter werden, quasi mitwachsen.

«Etwas wiederherzustellen, zu reparieren, diese Idee hat mir schon immer gefallen», sagt der 51-Jährige, der in Lausanne studiert hat. Heute sind allerdings nur noch 15 Prozent seiner Operationen «Reparaturarbeiten». Der Rest ist ästhetischer Natur. «Jemanden nach einem Unfall zu operieren, oder jemanden, der sich für sein Altern schämt, das ist doch das Gleiche.» Mit dem Internet und den vielen TV-Sendungen über Schönheits-OPs seien die Konsultationen allerdings mühsamer geworden. Die Leute kämen mit klaren Vorstellungen: Sie wünschen sich eine Augenlidoperation, aber bitte per Laser, und den passenden Gerätetyp aben sie auch schon recherchiert. «Es ist schwieriger geworden, das Vertrauen der Leute zu gewinnen», sagt Jean-François Emeri.

Ob sich seine Sicht aufs Schöne im Lauf der Jahre verändert hat? Als Arzt sei ihm Natürlichkeit am wichtigsten, meint Dirk Klapheck. Jemanden jünger zu machen, aber den Charakter, den Charme eines Gesichts beizubehalten, das sei das oberste Ziel. Und als Mann? Er lächelt. «Als Mann nehme ich eine gewisse Fehlerhaftigkeit im Gesicht immer mehr als schön wahr. Ich bin nicht mehr so versessen auf Symmetrie.»